Für Viele liegen nun fast 10 Woche des Working@Home hinter uns. Einige hilfreiche Routinen haben sich inzwischen gebildet, neue Tools und effiziente Arbeitstechniken wurden gelernt und der Ausnahmezustand hat einen seltsamen, neuen Alltag geschaffen. Und trotzdem kommt jetzt gefühlt eine Durststrecke. Diese Art zu arbeiten stößt an Grenzen. Die Kollegen werden stärker vermisst, die räumliche Trennung unserer Lebensbereiche fehlt schmerzhaft.
Der Drang zurück an den „Arbeitsplatz“ ist allenthalben zur spüren.

Für den Fall, dass es doch noch ein paar Tage oder Wochen so weiter geht oder dass sich Working@Home wider Erwarten fest etabliert: Hier kommen hier ein paar Denk-Anstöße bzw. ein Best-of einiger Tipps von Unternehmen, Freelancern und Bloggern, wie Homeoffice geht.

Der Arbeitsplatz

„Wie man sich bettet, so liegt man.“, sagt der Volksmund.

Das gilt nicht nur bei der Wahl der Matratze , sondern auch für die Wahl des geeigneten Arbeitsplatzes. Je nach Möglichkeiten des eigenen Zuhauses natürlich. Ideal ist ein abgegrenzter Bereich mit Tisch und ergonomischen Stuhl mit seitlichem Licht und einer cleanen Arbeitsumgebung. Das verhindert Ablenkungen. Wer nicht über ein Arbeitszimmer verfügt, dem hilft Ordnung. Alles was nicht zum Arbeiten benötigt wird, bitte wegräumen.

Manchmal hilft auch eine visuelle Veränderung, wie z.B. eine Decke, die dem Tisch zu einem neuen Erscheinungsbild und dem Kopf zum Umschalten auf Arbeitsmodus verhilft. Für Tage, an denen man besondere Motivation braucht, darf es auch ein kleiner Blumenstrauß oder ein motivierendes Bild neben dem Laptop sein. Das Phänomen, dass das Außen das Innen beeinflussen kann und umgekehrt ist nicht unbekannt.

Jeder weiß dass man sich in einem Anzug oder Abendkleid auch anders bewegt und verhält als im Jogginganzug. Wie war das noch mit der Kontrolle und der Jogginghose, lieber Karl Lagerfeld?! Und das bringt uns gleich zum zweiten Tipp: die Kleidung.

Die Kleidung

Am Besten genau die Kleidung wählen, die man auch im Büro anhätte. Wer sich sonst eher leger ins Jeans und Polo-Shirt oder Pullover gekleidet hat, behält das bei. In anderen Branchen kann auch ein Hemd oder eine Bluse angemessen sein. Schuhe können auch helfen in den „Arbeitsmodus“ zu wechseln. Die Körperhaltung ist gleich aufrechter und der Kopf bekommt den Impuls auf „Arbeitsmodus“ umzuschalten. Auch schneidet man so bei den (vielen) Videokonferenzen besser ab.

Die Struktur

Beim Working@Home fehlen die räumliche Struktur und eine klare Trennung der Lebensbereiche. Umso wichtiger ist es, sich zeitlich gut zu organisieren. An manchen Tagen helfen fixe Termine von außen, wie Video-Calls, Remote Workshops, Jour-fixe Termine mit dem Chef, Team oder Kunden. Fehlt dieser Rahmen, tut man gut daran, sich einen festen Rhythmus zu schaffen. Wer feste Erreichbarkeiten von seitens seines Unternehmens hat, sitzt meist von 9 bis 17 Uhr am Schreibtisch und ist erreichbar. Danach ist „Feierabend“.

Wie sinnvoll diese Regeln sind, darüber lässt sich streiten. Je nach Geschäftsmodell und Menschentyp ist das unterschiedlich. Schließlich gibt es vielfach Studien über den unterschiedlichen Tages- und Arbeits-Rhythmus von Menschen. In der Wissenschaft werden Lerchen, Eulen oder weitere Typen unterschieden.

Ein Mehrwert, den das Homeoffice bietet ist sicher, den individuellen Neigungen besser Rechnung tragen zu können.
Warum denn nicht, wie aktuell gefordert, morgens mal eine Stunde mit den Kindern in die virtuelle Schule gehen. Dafür dann am Abend zwischen 19.00-20.00 Uhr nochmals die E-Mails bearbeiten.
Aktuelle Kollaborationsplattformen unterstützen dabei hervorragend. Dort lässt sich leicht eine Nachricht hinterlegen, wann eine Person „on“ oder „off“ ist.

Die Pausen

Gerade im Home-Office sind Pausen wichtig. Verschiedenste Forschungen kommen zu dem Schluss, dass Pausen kreativ und effizient machen. Nach ca. 90 Minuten ist unser Gehirn erschöpft und braucht eine kurze Pause. Nach ca. 4 Stunden empfiehlt sich eine längere Unterbrechung. Auch die Augen sind für eine Bildschirmpause dankbar.

Dabei die Bewegung nicht vergessen, so ein weiterer Tipp – hier sind sich alle Experten einig. Nicht nur, dass besonders Menschen, die in kreativen Berufen unterwegs sind, oft das Phänomen beschreiben, beste Ideen kämen unter der Dusche, beim Sport oder im Schlaf. Jeder Mensch hat das natürliche Bedürfnis sich zu bewegen. Beim Working@Home und dem maximalen zwischen Küche und Schlafzimmer kann das deutlich zu kurz kommen.
Da helfe kleine Rituale, wie z.B. sich jedes Mal beim Aufstehen vom „Schreibtisch“ zu strecken oder nach jedem „Call“ mit den Schultern zu kreisen.

Die Mentale Hygiene

Das richtige Mindset ist der Schlüssel zum Erfolg, auch hier sind sich Experten heute einig. Gerade im Homeoffice sind Selbstführung, Motivation und Selbstdiziplin die entscheidenden Erfolgsfaktoren. Hier kommt es immer wieder zu Überlappungen der verschiedenen Rollen und Lebensbereiche. Da tut es gut, sich immer wieder zu klar zu machen, was gerade ansteht und was eben auch nicht geht. Erlaubt ist, was hilft. Dem einen helfen 5 Minuten Morning Meditation, einem anderen Visualisierungen, To-Do Listen oder der handgeschriebene Marker an der Küchentüre. Empfohlen sind immer wieder kurze Auszeiten, um sich neu auszurichten und ggf. zu repriorisieren.
Und vor allem es sich zu erlauben, neben Familie und Arbeit zu Hause auch „Nichtstun-Zeiten“ nur für sich einzulegen.

Die Zukunft des Working@Home

Derzeit kann noch niemand vorhersagen, wie sich unsere Arbeitswelt durch Corona verändern wird. Die Digitalisierung hat jetzt schon an Schubkraft gewonnen. Kreativität, Solidarität und Offenheit gegenüber New Work auch. Steve Galveski beschreibt dazu auf Medium.com fünf unterschiedliche Stadien des remote work. Von Stufe 1 „Non-Deliberate Action“ bis zu Stufe 5 dem „Nirvana“, in welchem das virtuelle Office nicht mehr versucht das physische Büro zu kopieren, sondern durch eine clevere Nutzung eigene Regeln definiert und damit produktiver wird. Na, mal sehen.

Auf jeden Fall ist gut daran getan sich damit auseinander zu setzen, wie Working@Home nachhaltig funktioniert. Es gehört ab jetzt dazu.