Megakompetenz

25.07.2021

 

Zuhören – das ist doch ein alter Hut. Zeige mir mal die oder den, die das nicht gehört oder gelernt haben. Das ist doch in wirklich jedem Kommunikationstraining ein zentraler Bestandteil. Warum denn jetzt schon wieder?
Ganz einfach – weil wir es nicht bzw. nur sehr oberflächlich tun. Und dabei ist Deep Listening – die Megakompetenz.
Für mich, für Dich, für Führungskräfte.
Doch was ist Deep Listening eigentlich genau?

Aktives Zuhören

In den bereits benannten Kommunikationstraining ist tatsächlich immer wieder vom sogenannten „Aktiven Zuhören“ die Rede. Ist das Deep Listening – die Megakompetenz?
Ja, und nur zum Teil.

Das „Aktive Zuhören“ ein Modell von Rogers wird ja gerne in drei Ebenen unterteilt.
Das „Zuhören“, d.h. das Begleiten des Gesprächspartners mit nonverbalen Signalen, wie Nicken, Augenkontakt, einer zugewandten Körpersprache und auch mit kleinen Tonsignalen, wie „mmh“, „ah“ und ähnlichen.

Dann das „Verstehen“, besser gesagt das kognitive Verstehen. Hier geht es darum, dass der Zuhörende das Gesagte wiedergeben kann, am besten mit eigenen Worten. Und das Gesagte zusammenfasst und spiegelt. Oder auch mit präzisen Fragen das Gesagte vertieft bzw. hinterfragt.

Und die dritte Ebene ist dann das „Verstehen“ der Gefühle. Das Wahrnehmen dessen, was die/den Andere/n gerade bewegt. Und die Fähigkeit dies auch zu thematisieren und der/dem Anderen verbal und auch über den Körper zu spiegeln. Das ist schon eine sehr elaborierte Version des „Zuhörens“, denn hier ist es einerseits erforderlich Emotionen zu erfassen und sie dann auch gleichzeitig noch authentisch ausdrücken zu können. Ganz zu schweigen von der Fähigkeit sich in sein Gegenüber einzufühlen und vielleicht gar zwischen den Zeilen zu lesen.

Störenfriede bei Zuhören

Eigentlich ist das mit dem Aktiven Zuhören, doch ganz einfach. Warum sollte es denn dann nicht gelingen.  Ja, stimmt, es ist ganz einfach. Am Toolset scheitert es deshalb selten. Und das Toolset ist das, was jeweils gerne adressiert wird, wenn es um „Zuhören“ und die hier bereits erworbenen Fähigkeiten geht.

Wissen, wie das Zuhören geht, ist tatsächlich verfügbar. Nur wird das eben oftmals nicht genutzt.

Und das liegt am Mindset bzw. an diesem Störenfried „EGO“, der/die/das zwar wüsste, aber nicht mag.
Dem es einfach zu fad ist sich auf die/den Anderen einzustellen, sich selbst zurück zu nehmen und seine Aufmerksamkeit auf das Gegenüber zu richten. Zumeist macht es eben doch mehr Spaß, während die/der andere was sagt schon wieder die Kanone zu befüllen für die nächste wohlformulierte Salve. Im Rampenlicht der Bühne. Was eben unbedingt nochmals gesagt werden müsste. Und zwar jetzt. Und während man da unterwegs ist, kann man nicht zuhören. Zumindest nicht der/dem Gegenüber.

Deep Listening – die Megakompetenz

Und genau hier geht das Deep Listening – die Megakompetenz deutlich über das Aktive Zuhören hinaus. Es beginnt bereits damit, dass „Zuhören“ beim Selbst anfängt. Und erst danach ein Zuhören des Anderen überhaupt möglich ist.

Der Begriff des Deep Listening wurde von mehreren Autoren genutzt. Das Modell des Deep Listening, das hier nun etwas genauer betrachtet wird stammt von Otto Scharmer und ist in seiner Theory U beheimatet.

Es umfasst insgesamt vier Ebenen und unterscheidet sich auch damit vom Modell des Aktiven Zuhörens.
Hier wird es in leicht modifizierter Form dargestellt.

Ebene 1: Sich selbst zuhören.

Das Deep Listening legt zu Grunde, dass nur die/der wirklich zuzuhören vermag, die/der mit sich selbst in Kontakt ist. D.h. die/der nicht von dem eigenen EGO oder äußeren Umständen abgelenkt, sondern ganz mit sich in Präsenz ist. Diese Menschen hören sich mehrfach am Tag selbst zu und sorgen dafür in einer inneren Ausgewogenheit zu sein. Dazu sind Techniken aus dem Bereich Mindfulness bzw. der Achtsamkeit hilfreich.

Ebene 2: Die/den Andere/n hören.

Wenn die so geförderte Präsenz erreicht ist, ist dies eine gute Grundlage für das Wahrnehmen des Außen, des Anderen gegeben. Dann wird überhaupt erst in Ruhe und einer gewissen Gelassenheit das aufgenommen, was gesagt wird. Dann wird vollständig zugehört. Zunächst mit dem Kopf.
Im Kontakt wird das unmittelbar spürbar. Der Sprechende denkt, sie/er wird gehört. Sie/er darf sprechen, sich Zeit nehmen. Der Stress lässt auch bei ihr/ihm nach, schnell sein zu müssen, noch zu Wort zu kommen.

Ebene 3: Das Gegenüber im allen Sinnen wahrnehmen.

Da geht dann noch was. Wenn das „Zuhören“ über das Aufnehmen der Worte in Präsenz hinaus geht, dann wird gleichzeitig zum Kopf auch mit dem Herzen wahrgenommen. Dann spielen die Gefühle und Emotionen eine Rolle. Dann werden vom Zuhörenden die Untertöne „gehört“ bzw. gelesen. Wir nutzen dafür den Begriff „Empathie„. Das sich Einfühlen in seine/n Gesprächspartner/in. Das Mitschwingen mit der/dem Anderen.

Die Wissenschaft geht davon aus, dass unsere Fähigkeit Empathie zu empfinden schon früh in unserer Sozialisation angelegt wird. Hier wird gerne das Modell der „Spiegelneuronen“ angeführt, das ein früh angelegtes Resonanzsystem unseres Gehirns beschreibt.

Wenn wir Menschen nicht nur mit ihren Gedanken sondern auch ihren Gefühlen wahrnehmen, dann werden sie uns benennen, dass sich ein spürbares Wohlgefühl einstellt. Sie suchen dann unsere Nähe und bringen sich verstärkt ein.

Zumindest bis auf diese Ebene sollte das Deep Listening – die Megakompetenz bei Führungskräften heute ausgeprägt sein.

Ebene 4: Mit der Intuition in einen generativen Dialog

Und es geht sogar noch darüber hinaus, sagt das Modell der „Four Levels of Listening„. Wir können auch noch unsere Intuition zum Einsatz bringen. Dann „Hören“ wir auch mit dem „Erspüren“. Dann lassen wir aus dem vom Anderen Gesagten und dem von uns dabei „Gefühlten“ Bilder und Assoziationen entstehen und bieten diese im Dialog an. In der Regel kommt damit ein kreativer Prozess in Gang und es entsteht ein generativer Dialog. Ein Austausch in dem etwas „darüber hinaus“ geschaffen wird. Ein oder mehrere Impulse, die das ursprünglich Gesagte ein Stück weiter spinnen, modifizieren und transformieren. Nicht krampfhaft von außen, sondern aus sich selbst heraus.

Dies wird dann von allen Beteiligten in der Regel als außerordentlich bereichernd und womöglich Sinn stiftend beschrieben. Sie sprechen dann von einem Gefühl von Verbundenheit. Dann wird das Deep Listening – die Megakompetenz zu einem Geschenk für beide Seiten. Für den, dem zugehört wird und für den, der zuhört.

Future Communication Skill für Führungskräfte

Und diese zuletzt genannte Kompetenz der Einbindung der Intuition und des generativen Dialogs ist wahrlich ein Future Communication Skill, das für Führungskräfte der Zukunft eigentlich ein „Must have“ ist.

In einer Welt, wo wir mit Informationen überschüttet werden und kaum mehr wissen, wo uns der Kopf steht – wie sollen wir uns da noch verstehen. Wenn nicht über den Weg des wirklich tiefen Zuhörens.

Zugegeben, das will erlernt sein. Und das dauert auch ein bisschen, weil es geübt werden will. Es ist allerdings auch in jeder Hinsicht belohnend.
Am besten ist es, dabei nochmals von vorne anfangen und alle Ebenen des Deep Listenings durchlaufen.
Wirksame Designs diesen Weg zu gehen gibt es übrigens bei yoU for business.

Und auch wir bei TCJG bieten ein Nugget mit gleichnamigem Namen „Future Communication Skills“ an.
Sie erreichen uns unter TCJG to go.

Und hier zum Abschluss noch ein Video, hier erklärt Otto Scharmer das Modell.

Deep Listening – die Megakompetenz.
Mit uns geht das gut.