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Blended Learning – digitales und analoges Lernen sinnvoll kombiniert

Auf die richtige Mischung kommt es an

Vielleicht kennen Sie es aus Ihrer eigenen Vergangenheit – der Lehrer steht vorne an der Tafel und führt einen ausschweifenden Monolog, während der eine Schüler längst abgeschaltet hat, der zweite nur Bahnhof versteht und der dritte bereits einen Schritt weiter denkt. Hätte Ihr Lehrer damals die Lernform Blended Learning angewandt, so wäre die Aufmerksamkeit von Schüler 1 durch kleine, relevante Learning Nuggets noch vorhanden, Schüler 2 hätte durch sinnvolle Verschlagwortung die für ihn unverständlichen Begriffe schnell gefunden, und Schüler 3 würde weiterführende Übungen in seiner individuellen Lernstrecke bearbeiten. Aus dem Lehrer vorne wäre ein begleitender Coach geworden, der beim Lernen unterstützt, die Gruppe motiviert, der zum Austausch anregt und Anwendungsfälle aktiv üben lässt.

Natürlich ist diese Situation etwas überspitzt dargestellt. Aber sie bringt die Vorteile von Blended Learning auf den Punkt.

Individuelle Lernstrecken

Doch wie lässt sich das realisieren? Und was ist das eigentlich genau, Blended Learning?

Die Wortbedeutung von „Blended“ lässt bereits auf eine „Mischung“ schließen. Sinnvoll gemischt bedeutet hier: Nicht nur digital und virtuell lernen, sondern zusätzlich dazu live und in Präsenz. Selbstbestimmt lernen, aber nicht allein gelassen, sondern in ständigem Kontakt mit Coach und Peergroup. Dahinter steckt die Lerntheorie des moderaten Konstruktivismus, die davon ausgeht, dass man am besten lernt, indem man seinen Interessen und individuellen Bedarfen folgt, einen Coach ständig zur Seite, der den Lerner begleitet und ihm zur Seite steht, ihn aber selbstbestimmt lernen lässt. Beim „moderaten“ Konstruktivismus (u.a. Roche, Jörg 2008 – Handbuch Mediendidaktik) handelt es sich um eine Weiterentwicklung der konstruktivistischen Lerntheorie. Während der Lerner bei letzterer Gefahr läuft, durch rein selbstgesteuertes Lernen überfordert zu werden und sich auf seinem Lernweg zu verirren, stellt die moderate Variante, die einen Coach in das selbstbestimmte Lernen fest inkludiert, sicher, dass der Lerner Unterstützung und Anregungen bekommt.

Digitales Selbstlernen ist in – und richtig eingesetzt für bestimmte Lernziele sicher sinnvoll, doch Studien haben immer wieder gezeigt, dass die Motivation schnell nachlassen kann, wenn man nur alleine vor dem Bildschirm des Computers sitzt oder über sein Smartphone wischt. Die motivationale Einbindung in eine Gruppe, die sich zu festen Zeiten live trifft, hilft dabei, in die Gänge zu kommen und langfristig durchzuhalten.

Reiner Wissensvermittlung, sowie individuellen Stärken und Schwächen, kann man digital gut begegnen: Adaptive Systeme analysieren den individuellen Lernbedarf und passen sich diesem an. Simulationen ermöglichen ein möglichst nahes Herankommen an die Anwendungsrealität. Aber das „Können“ trainiert sich am besten in der wirklichen Anwendung in einer authentischen Umgebung, in einer Situation, die der, in der ich meine Kompetenzen in der Realität später anwenden möchte, möglichst nahe kommt.

Dies legt auch die Idee der „70-20-10“- Regel nahe: 70 Prozent der Skills entstehen aus praktischen Erfahrungen im Job, 20 Prozent aus Interaktionen mit anderen und nur 10 Prozent aus formellen Lernsituationen.

 

Erklärung zur „70-20-10“- Regel

 

Entwicklung individueller Lernstrecken

Für die Umsetzung im Berufsalltag heißt Blended Learning konkret: Aus den Kompetenzprofilen der Mitarbeiter werden Lerninhalte abgeleitet, die in Lernstrecken individuell zusammengesetzt werden. Zur Förderung der Aufmerksamkeit und zur optimalen Einbindung in den Alltag bestehen diese aus kleinen Lerneinheiten – sogenannten Learning Nuggets – wie beispielsweise einem kurzen Video mit Fragestellung. In die Lernstrecken fest integriert sind der Austausch mit Coach und Peergroup, Live-Workshops und Praxisprojekte.

Das beste zweier Welten

Blended Learning kombiniert also das beste zweier Welten, die sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern sich, didaktisch sinnvoll kombiniert, ergänzen: die Welt des E-Learnings und die des Präsenzlernens.

Das ist beim perfekten „Blend“ eines Latte Macchiatos schließlich auch nicht anders: Ohne den Milchschaum geht gar nichts, aber der Espresso darf für den Frischekick auf keinen Fall fehlen.

19. July 2016
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